Wenn der Sauerstoff fehlt und die Atmung aussetzt

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Das Sportarmband Vivosmart 4 von Garmin will nachts die gefährliche Schlafapnoe erfassen. Eine weitere Neuerung nennt der Hersteller Body Battery.

Wenn Garmin seinen neuen Vivosmart 4 als Fitness-Tracker bezeichnet, ist das nicht ganz richtig. Man kann zwar sportliche Aktivitäten wie Laufen, Schwimmen, Krafttraining und Yoga mitsamt Herzfrequenz aufzeichnen lassen und beim Gehen und Laufen die Schritte zählen. Aber ein GPS-Empfänger ist nicht eingebaut, und wer während des Trainings mit einem schnellen Blick alle wichtigen Kennziffern erfassen will, liegt hier schon angesichts des sehr kleinen Displays falsch.

Bedieneinheit und Plastikarmband des Vivosmart 4 sind eine untrennbare Einheit, weder ist das Armband wechselbar noch der Akku des Geräts. Mit einem Gewicht von nur 17 Gramm kann man das dünne Bändchen gut Tag und Nacht tragen, die Breite des Armbands beträgt 1,5 Zentimeter, aber die Bedieneinheit mitsamt Anzeige ist ein ziemlicher Knubbel, ein Zentimeter dick. Das Display löst nur mit 128 × 48 Pixel auf, und bedient wird das Ganze, indem man mit dem Finger auf die Anzeige tippt, einen Softkey unterhalb des Displays berührt oder mit dem Finger über die gesamte Anzeigefläche streicht. Viele kleine Piktogramme sollen den Weg durch die verschachtelten Menüs weisen, aber mit der Mini-Anzeige und den Gesten kommt man deutlich schlechter zurecht als mit einer größeren Sportuhr und ihren mechanischen Tasten. Auch das Laden des Akkus mit Kabel und Klemme ist umständlich.

Wer indes in der Garmin-Welt zu Hause ist, freut sich über die perfekte Einbindung des Vivosmart 4 in das Analytiksystem des amerikanischen Herstellers, Garmin Connect genannt. Im Web-Browser oder in einer Smartphone-App sind alle Fitness-Daten abrufbar und lassen sich auf vielfältige Weise auswerten. Wie viel Kilometer man in den letzten Wochen oder Monaten gelaufen ist, zeigt sich bereits nach zwei Mausklicks, wie sich die Laktatschwelle oder die maximale Herzfrequenz im gleichen Zeitraum geändert hat, ist ebenso schnell ablesbar. In dieses System der Sportanalytik für Fortgeschrittene fügt sich der Vivosmart sofort ein, er kann auch als Zweit- oder Drittgerät neben professionellen Garmin-Uhren verwendet werden.

Sodann bringt Vivosmart zwei Neuerungen mit, die selbst die teuersten Garmin-Sportuhren noch nicht bieten. Zum einen die fortwährende Messung der Sauerstoffsättigung, auch während des Schlafs. Sie gibt an, wie viel Prozent des Hämoglobins im Blut mit Sauerstoff beladen sind. Der Wert sollte möglichst nahe an 100 Prozent liegen und wird mit einem Pulsoxymeter optisch mit Leuchtdioden gemessen.
Das kann die teure Garmin-Sportuhr Fenix 5X Plus auch. Hier jedoch erfolgt die Messung fortwährend, auch nachts im Schlaf. Allerdings nur in einem Intervall von vier Stunden. Man sieht in der Grafik am PC oder in der App die durchschnittliche Sauerstoffsättigung sowie ihre Entwicklung über der Zeitachse. Die Sauerstoffsättigung kann während des Schlafs durchaus abfallen, Werte bis 80 Prozent werden von Garmin noch als „Gelb“ markiert. Aber wer drastische Schwankungen und Rückgänge fortwährend beobachtet, sollte ärztlich prüfen lassen, ob eine Schlafapnoe vorliegt, also eine durch Atemstörungen ausgelöste Mangelversorgung mit Sauerstoff.

 

Eine weitere Neuerung nennt der Hersteller Body Battery: Mit der Messung des Stresslevels, der Herzfrequenz-Variabilität, der Schlafqualität und der Sportaktivitäten wird der „persönliche Energielevel“ berechnet und in Prozent angegeben. Welche Algorithmen dahinterstecken und wie aussagekräftig das Ganze ist, wissen wir nicht. Aber man sieht recht eindrucksvoll, wie nach einer guten Nacht morgens die Batterien nahezu vollständig gefüllt sind und dann während des Trainings in einer Stunde um 25 Prozent geleert werden. An anderen Tagen war in der Garmin-Analytik unschwer zu erkennen, was man seit dem Aufstehen sofort wusste: Das war nicht viel mit der Nachtruhe, abends müde ins Bett gegangen und morgens ebenso aufgestanden.

Beide neuen Auswertungen hat derzeit nur die Vivosmart 4, gewiss werden andere Sportuhren des Herstellers folgen. Denn mit dem schlanken Armbändchen für einen Preis von 140 Euro ist nicht jeder angesprochen.

 

Quelle:http://www.faz.net/aktuell/technik-motor/digital/garmin-sportarmband-vivosmart-4-im-test-15908575.html

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