Schönling mit Schwächen

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Der Smove 7.4 E von Niesmann & Bischoff ist ein Wohnmobil für das designverliebte Paar. Gut 80.000 Euro müssen sie dafür auf dem Konto haben.

Der Smove ist ein Hingucker, keine Frage. So elegant kam noch kaum ein Wohnmobil daher, mit diesen fließenden Formen, die den Übergang vom Fahrerhaus ins Dach und in den Wohnaufbau so harmonisch wie noch nie gestalten. Das ergänzt das schwarz-weiße Außendesign, das die schicke Front prägt und auf den Seiten nur von den allernötigsten Klappen unterbrochen wird. Nur ja kein Hinweis auf Funktion, schön soll es sein. Selbst die Außenschublade rechts und das Fach für die Versorgungsanschlüsse links sitzen tief unten unter der weiß lackierten Schürze, völlig unauffällig. All das trägt zur sportlich-eleganten Erscheinung des Smove bei. Dazu passt die elektrische Zuziehhilfe für die stabile Eingangstür mit doppelter Verriegelung, deren Arbeitsgeräusch etwas leiser sein könnte.

Im Innenraum geht es eher puristisch und minimalistisch zu als opulent, kaum Hinweise auf technische Einbauten, die sind alle hinter Klappen und unter Abdeckungen versteckt. Der Wohnraum, den man über die elektrisch ausfahrbare Stufe betritt, sieht mehr so aus wie eine elegante Lounge mit den vielen Kissen auf den beiden sich gegenüberliegenden Längs-Couches und der Küche, die eher wie ein Sideboard wirkt. Überall edle Materialien, etwa am Eingang, wo die Wand unten mit dunkelgrauem Granit belegt ist, das helle Möbelholz in Kombination mit weißen Einbauten, Alu-Griffe, farblich harmonierende Polster, textile Verkleidung von Wänden und Decke, die Fenstereinfassungen im Wohnbereich sind mit gemustertem Kunststoffglas umgeben, der optische Eindruck ist beeindruckend, das Design stringent.

Der Smove 7.4 E ist einer von zwei Grundrissen mit 7,40-Meter-Aufbau, es gibt noch zwei Versionen mit 6,90 Meter Länge. Die beiden kürzeren haben ein Querbett im Heck, die längeren zwei Einzelbetten. Allen gemeinsam ist, dass es sich um reine Zwei-Personen-Fahrzeuge handelt, denn in diesen durchgestylten Räumen bedarf es Menschen, die Wert auf das Design legen, die gern auf- und abräumen und auf ihr gutes Stück achtgeben. Die Variante E hat einen geläufigen Grundriss mit zwei Einzelbetten im Heck, der Sitzgruppe, die mit den sich gegenüberliegenden Couchen statt einer Dinette-Bank einer derzeitigen Mode folgt, einer gerade noch ausreichend großen Küche und einem vielseitig nutzbaren Bad. Den 140-Liter-Kühlschrank mit extra zu öffnendem Flaschenauszug hat man neben dem Kleiderschrank im hinteren Teil des Wagens plaziert. Dort ist er nicht zu erreichen, wenn jemand die Tür zum Bad, die außerdem das Heck vom Wohnraum trennen kann, geöffnet hat.

Zwei Stufen führen zu den Betten hinauf, wo die Matratzen auf Froli-Tellern ruhen, wir fanden sie ziemlich hart. Dafür sind sie echte zwei Meter lang und 0,75 Meter breit, und der Abstand zur Decke misst komfortable 80 Zentimeter. Am Fußende sind Schränke integriert, der rechts ist auch von oben zugänglich, die Matratze ist dafür geteilt. Die Umgebung des Bettes ist komfortabel eingerichtet, Dachkästen, große Schwalbennester mit USB-Steckdose (damit nur ja kein Kabel herumbaumelt), in die textile Wandverkleidung integrierte Taschen, die man erst mal gar nicht sieht, wenn nichts drin ist, schöne Lampen und vielseitige Beleuchtung, alles stylisch eben. Man kann sich gar nicht vorstellen, hier die Betten ungemacht liegen zu lassen.

Mit einem Plisseevorhang kann man das Gemach optisch abtrennen. Rechts schließen sich ein raumhoher Kleiderschrank und der bereits gelobte Kühlschrank an, links ist das Bad installiert. Irgendwie ist der Zugang dorthin ein bisschen unkomfortabel: Man muss erst in dem engen Durchgang bis vor die Treppenstufen gehen, um die Tür öffnen zu können, die Richtung Wohnraum aufschwingt. Das Sanitärabteil enthält eine geballte Ladung Verwandlungstechnik: Das Eckwaschbecken mit ein paar mickrigen offenen Ablagen darüber (sonst gibt es absolut nichts, wo man etwas abstellen könnte) verschwindet zum Duschen unter dem Bett, die Toilette fährt elektrisch in ein Fach unter der Küche. Das mit dem Waschbecken geht ja noch fix, einen Zapfen hochziehen und die Wand wegdrehen.
Aber die Toilettenfahrt dauert: Erst einmal muss deren drehbare Schüssel punktgenau auf dem Unterbau positioniert werden (ein Pfeil hilft zielen), erst dann hat der Mechanismus Strom und fährt langsam in sein Gelass. Dann noch mit schierer Gewalt die beiden Türchen in die mit dicker Isolierung gepolsterten Rahmen drücken, dann kann man den Wasserhahn zum Duschen aufdrehen. Der Raum ist gerade so groß, dass man sich bewegen und vor dem Becken stehen kann, aber beim Benutzen der Toilette blockiert man mit dem Knie die Tür des kleinen Beckenunterschränkchens, hinter der die Rolle angebracht ist. Will man die Beine weiter wegstrecken, müsste man die Tür öffnen. Praktisch geht anders. Das Abteil ist gut mit Lampen bestückt, denn der elektrische Dachlüfter schluckt Licht.

In der 90 Zentimeter breiten Küche sind unter zwei seitlich hochschwingenden Klappen links ein Spülbecken mit ordentlichem Hahn und rechts ein Zwei-Flammen-Gasherd auf einer schwarzen Ceranfläche installiert. Hier lässt sich trefflich putzen. Die Abdeckungen reichen bis zur Wand, hier bleibt kein Rand für eine Flasche oder ein Glas, alles muss vor dem Öffnen abgeräumt werden und findet eigentlich nur Platz auf dem Tisch. Die linke Klappe hält magnetisch hochkant an der Tür zum Bad, die rechte klappt um 180 Grad und liegt auf der Rückenlehne der Couch auf – wenn man die Kissen vorher entfernt hat. Das ist die Abstellfläche für den, der an der Küche arbeitet. Es gibt einen Dachstaukasten und drei selbst einziehende Schubladen unter dem Herd, sie sind nur halb so breit wie die grifflose Blende davor, denn unter der Spüle hat die Toilette ihr Exil, wenn geduscht wird. Die Schubladen nebst dem hochwillkommenen Schuhfach direkt am Eingang werden zentral verschlossen, das ist sehr praktisch, so muss keiner nach dem Start noch mal nach hinten, um eine in der ersten Kurve ausfahrende Lade zu fixieren, die man vergessen hat zu verriegeln.

Eine Stufe über dem Küchenniveau ist die Sitzgruppe plaziert (linke Couch 90, rechte 120 Zentimeter lang) mit dem Tisch, der sich vergrößern und verschieben lässt, darüber erstreckt sich ein großes elektrisches Schiebedach. Die Sofas sind sehr bequem, mit vielseitiger Beleuchtung und vielen Kissen. Dachkästen nehmen hier Utensilien auf, die Sitztruhen bieten üppigen Stauraum, weil Tanks und sonstige technische Einbauten im frostsicheren Doppelboden sitzen. Der ist über zwei Öffnungen erreichbar. Wegen der eleganten äußeren Dachfront mit ihrem fließenden Übergang in den Aufbau ist innen quer über dem Fahrerhaus nur eine sehr schmale Ablage möglich, aber mit Klappe davor, damit Brillen oder Handys, die hier an einer USB-Steckdose hängen, nicht herausfallen. Es versteht sich von selbst, dass in einem Smove die Pilotensitze mit dem gleichen Stoff wie die Couchen bezogen sind.

Dann kann man die riesige Garage ungestraft vollpacken

Es ist möglich, den Smove mit 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht zuzulassen. Dann muss man allerdings höllisch aufpassen mit dem, was man einlädt. Wer auf Nummer Sicher und komfortabel gehen will und bis zu 7,5 Tonnen fahren darf, ordert eine Auflastung. Dann kann man die riesige Garage ungestraft vollpacken, die sogar noch die Option eines zweiten Wassertanks unter dem Boden offeriert. Hier im Heck ist auch gut zugänglich die Bordelektrik installiert. Einen starken Rücken braucht, wer das Gasflaschenfach bestücken will. Denn das befindet sich ebenfalls in dem Heckstauraum, und die Flaschen müssen in der Vorhalte schräg nach rechts eingefädelt werden. Am besten klettert man in die Garage und macht das von vorn.

Stauraum hat der Smove genug, es mangelt an Abstellflächen. Aber das gehört wohl zum Designkonzept, das nur wirkt, wenn nichts herumsteht. Im Innern fällt gar nicht auf, dass der Smove mit 2,25 Meter eine Handbreit schmaler ist als vergleichbare Teilintegrierte, aber beim Fahren ist man über jeden gesparten Zentimeter dankbar. Das Reisen in dem Schmuckstück ist ein Vergnügen; man sitzt gut, der 177-PS-Motor lässt noch Unterhaltung im Fahrerhaus zu und bietet jederzeit genug Kraft. Zum Komfort trägt das automatische Getriebe seinen Teil bei, das nur in manchen Bergauf-Situationen gelegentlich hektisch hoch- und runterschaltet, bis ein beherzter Tritt aufs Gas die Sache beruhigt. Im 4,5-Tonner ist man mit dem reglementierten Tempo entspannt unterwegs, was dem Verbrauch zugutekommt, und wird auch von störenden Begleitgeräuschen aus dem Aufbau nur wenig belästigt. Das spricht für gute Verarbeitung. Die technische Ausstattung ist auf der Höhe der Zeit, auch wenn davon nur wenig zu sehen ist. Denn getreu dem Design-Prinzip sind alle Anzeigen und Steuerungspaneele für die Technik hinter Klappen im Eingangsbereich versteckt. Das alles hat seinen Preis. Gut 80.000 Euro muss man schon auf dem Konto haben, wenn man sich mit einem Smove 7.4 E anfreunden will.

 

Quelle:http://www.faz.net/aktuell/technik-motor/motor/fahrbericht-wohnmobil-smove-15897435.html

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