Einst waren sie Zwillinge, jetzt gehen sie getrennte Wege

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Das ideale Notebook für den mobilen Menschen ist klein und leicht. Asus und Huawei hatten dieselbe Idee. Doch nun gibt es eine Zäsur.

Es passt ins Reisegepäck, man nimmt es abends gern mit aufs Sofa, und als Begleiter in allen Lebenslagen macht es das Tablet überflüssig. Das Zenbook 3 von Asus war 2016 ein solches Notebook, und das Matebook X von Huawei im vergangenen Jahr ebenfalls.

Nun haben wir die Modelle der beiden asiatischen Hersteller aus der diesjährigen Produktion ausprobiert. Man erkennt sogleich, dass die Akzente jetzt anders gesetzt werden. Die Hersteller schlagen unterschiedliche Wege ein. Huawei macht sein Matebook in der neuen Ausführung größer und schwerer. Asus hingegen belässt es bei einem besonders leichten Gerät, das als Mini mit vielen Finessen gelten will. Legt man sie nebeneinander, scheinen die Unterschiede minimal zu sein. Die Kandidaten sind ein bisschen größer als ein DIN-A4-Blatt und ausgesprochen schlank: Etwas weniger als 15 Millimeter reckt sich das Huawei in die Höhe, das Asus ist einen Millimeter dicker.

Nimmt man sie in die Hand, ist der Unterschied krass: Ziemlich genau ein Kilogramm wiegt das Zenbook S, während das Matebook X Pro 1,3 Kilogramm auf die Waage bringt, also ein Drittel mehr als der Rivale und ein Drittel mehr als sein Vorgängermodell. Was ist hier passiert? Nach dem Einschalten ist die Ursache für die chinesische Gewichtszunahme sofort zu sehen. Die Anzeige des Matebook X Pro ist eine Wucht, geradezu riesig, sie zieht sich ganz dicht ans Gehäuse, der Rand bleibt oben sowie an den Seiten millimeterdünn. Auf einer Diagonale von 13,9 Zoll hat Huawei eine berührungsempfindliche Anzeige mit 3000 × 2000 Pixel untergebracht, die eine Helligkeit von maximal 450 Nits erreicht und einen Kontrast von 150 :1. Man ist sofort beeindruckt. Aber ein Minuspunkt ist unübersehbar: Das Display spiegelt wie ein Weltmeister. Für die knackigen Farben und die gelungene Wiedergabe von Fotos zahlt man diesen hohen Preis.

Verwindungssteif und robust

Öffnet man die Anzeige des Asus, stellt sich ebenfalls ein Wow-Effekt ein: Das Display hebt mit dem Aufklappen dank raffinierter Mechanik die Basiseinheit inklusive Tastatur nach oben, das Keyboard steht damit leicht schräg, und dankenswerterweise ist die Anzeige im Format von 13,3 Zoll entspiegelt. Aber sie ist nicht berührungsempfindlich, und die Auflösung bleibt bei Full HD mit 1920 × 1080 Pixel. Über die recht großen Ränder neben der Anzeige sehe man nonchalant hinweg. Der Öffnungswinkel beider Anzeigen ist übrigens begrenzt, man kann das Display also nicht nach hinten drehen.

Beide Kandidaten kommen mit einer hintergrundbeleuchtbaren Tastatur. Schaut man schräg auf die Tastatur des Zenbook, schimmert das Licht unter den Tasten hervor, wir finden das unschön. Das Matebook X Pro hat als Besonderheit zwischen den Funktionstasten F6 und F7 die Webcam-Taste. Drückt man sie, klappt die Kamera aus der Tastatur heraus, also ein Hardware-Schutz gegen heimliches Ausspähen. Allerdings ist die Kameraperspektive mit Blick von unten eher unvorteilhaft. Die Tastaturen haben einen geringen Hub, was nicht jedermann mag. Die Tastatur des Matebook fühlt sich etwas weicher an. Beide bringen einen gut funktionierenden Fingerabdruckscanner mit, den Huawei in der Ein- und Ausschalttaste verstaut, Asus im Touchpad.
Als besonders anschlussfreudig kann man weder das Huawei noch das Asus bezeichnen. USB Typ C setzt sich durch, das ist die gute Nachricht. Aber dass man mit einem Ethernet-Anschluss oder Speicherkartenleser rechnen darf, das vergesse man ganz schnell. Das Huawei bringt zwei USB-Typ-C-Anschlüsse mit, einer davon unterstützt Thunderbolt 3 mit superschneller Datenübertragung sowie zum Anschluss von Docks und Displays. Auf der rechten Seite findet sich ein USB-3-Anschluss in herkömmlicher Bauform. Dazu kommt noch ein Audioausgang mit 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse. Asus setzt ganz auf USB Typ C. Zwei der drei Anschlüsse unterstützen Thunderbolt 3. Der Audioausgang ist ebenfalls vorhanden. Man kommt um Adapter und Docks nicht herum.

Asus und Huawei verwenden die neuesten Prozessoren, wahlweise Core i5 und Core i7 der achten Generation. In unseren Testgeräten war der leistungsfähigere Core i7 verbaut. Huawei spendiert als Besonderheit eine zusätzliche Nvidia-Grafik, die Geforce MX 150. Für Spiele und Videobearbeitung ist das Matebook X Pro damit deutlich besser geeignet als das Asus, das mit der Chipsatzgrafik auskommen muss.

Die Qual der Wahl

Nur das günstige Windows 10 Home bringen die Kandidaten ab Werk mit. Ein TPM-Modul ist jeweils vorhanden. Wer Asus kennt, der glaubt es kaum: Auf dem Rechner ist kaum Crapware aufgespielt, man ist positiv überrascht. Nur die McAfee-Software sollte man sofort zu Beginn deinstallieren. Nicht entfernbar, sondern lediglich deaktivierbar war auf unserem Gerät ein „McAfee Startup“, und zudem nistete sich McAfee auch gleich nach dem Laden von Google Chrome dort ein. Man sollte also vorsichtig sein. Das Huawei bringt keine unangenehmen Überraschungen mit, es muss lediglich der „App Explorer“ von Sweet Labs deinstalliert werden.

Die Notebooks arbeiten angenehm leise, nur während höchster Belastung ist ein Säuseln deutlich hörbar. Das Zenbook S kommt mit einer App zur Leistungs- und damit Lärmreduzierung. Die Akkulaufzeit der Kandidaten lag bei uns zwischen acht und zehn Stunden. Asus gibt 14 Stunden an, Huawei bis zu 12 Stunden.

Beide Geräte sind mit 8 oder 16 Gigabyte Speicher erhältlich, dazu kommt eine SSD als Massenspeicher mit 256 oder 512 Gigabyte. Asus bietet außerdem ein Terabyte an. Ferner hat man jeweils die Qual der Wahl zwischen einem Core-i5- und Core-i7-Prozessor. Die Preise von Asus liegen zwischen 865 und 1650 Euro, Huawei verlangt zwischen 1500 und 1800 Euro. Das sind faire Angebote. Einen klaren Sieger im Wettstreit dieser besonders kompakten Notebooks gibt es nicht. Wer die höhere Bildschirmauflösung und mehr Rechenleistung sucht, ist mit dem Matebook X Pro gut beraten. Sein größter Nachteil ist das spiegelnde Display. Das Zenbook S ist der etwas langsamere Kandidat, aber seine faszinierende Leichtigkeit hat ihren Charme.

 

Quelle:http://www.faz.net/aktuell/technik-motor/technik/vergleichstest-notebooks-von-asus-und-huawei-15692300.html

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