Eine Frage der Zeit

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Das Patek-Philippe-Museum ist das wohl bedeutendste Uhrenmuseum der Welt mit Ausstellungsstücken, die nicht nur die Hardcore-Fans begeistern. Nun gibt das Haus neue Einblicke in seine Schätze.

Die Welt ist digital. Wir kommunizieren mit Smartphones, fragen Herrn Google um Auskunft und kaufen uns alles mögliche mit einem Mausklick, ohne dazu aus dem Haus zu gehen. Was macht da ein Museum? Es gibt ja kaum etwas Analogeres als ein Museum. Man muss sich hinbequemen, durchgehen, schauen, verstehen – oder es zumindest versuchen. Wenn sich dann ein Museum mit so etwas Analogem wie der mechanischen Uhr beschäftigt, dann ist ja wohl Hopfen und Malz verloren.

Keineswegs, meint da Peter Friess, Leiter des Patek-Philippe-Museums in Genf. Das von Patek Philippes Ehrenpräsident Philippe Stern gegründete und 2001 eröffnete Museum erfreut sich nach seiner Aussage großer Nachfrage, 50.000 Menschen kamen vergangenes Jahr in das schön restaurierte Art-déco-Gebäude im Genfer Stadtteil Plainpalais, Tendenz steigend.

Um Analoges attraktiver zu machen, hilft offensichtlich die Digitalisierung. „Die Arbeitsweise von Museen hat sich in der Internet-Gesellschaft drastisch verändert“, sagt der Museumsleiter, der nicht nur Uhrmachermeister ist, sondern auch promovierter Kunsthistoriker und schon im Silicon Valley zu Hause war.

Uhrenbau als „kulturelle Höchstleistung“ Europas

Beste Voraussetzungen, um das nach Expertenmeinung bedeutendste Uhrenmuseum der Welt fit für die Zukunft zu machen. „Wir wollen die Menschen zum Staunen bringen, dazu müssen wir uns aber von verstaubten Hinweistäfelchen verabschieden und vernetztes Wissen vor Ort anbieten“, sagt Fries, dem es eine Herzensangelegenheit ist, die Entwicklung und den Bau tragbarer Uhren als „kulturelle Höchstleistung“ Europas zu zelebrieren.

Deshalb hat er sich auch lange den Kopf zerbrochen und ein wesentliches Manko der bisherigen Ausstellung erkannt, die in rund 3000 Exponaten die Geschichte des Uhrenbaus seit dem 16. Jahrhundert präsentiert: „Wenn wir eine Uhr in einer Vitrine zeigen, dann ist meist nur die Vorderseite zu sehen, sehr selten die Rückseite – und gar nie der Inhalt.“ Was schade ist, denn gerade bei alten Taschenuhren gibt es da viel zu entdecken, von kunstvollen Emaille-Bildern – die rein gar nichts mit elektronischer Post zu tun haben – bis hin zu äußerst komplexen Uhrwerken. „Nun machen wir jedes Exponat unter jedem Blickwinkel zugänglich“, freut sich Friess. Dazu wurden viele Uhren zerlegt, digital fotografiert und oft auch gefilmt.

Schließlich bewegen sich bei einigen Uhren nicht nur die Zeiger, und nicht wenige zeigen die Uhrzeit auch akustisch an. Sehen und hören kann der Besucher dies, wenn er sich am Eingang einen der neuen Tablet-Computer hat aushändigen lassen – und dort die Exponatsnummer eintippt. Dann erfährt er, gerade bei den mit filigraner Emaille-Malerei verzierten Uhren nicht nur etwas über den Zeitmesser selbst, sondern auch etwas über das Gemälde, das hier als Vorbild diente. „Wir stellen hier jede Uhr in einen historischen Zusammenhang“, sagt Friess, der die „überwältigende Schönheit“ vieler Exponate preist, die er als Kunsthistoriker in die Kategorie von Kunstwerken erhebt.

Um dies zu erkennen und zu genießen, brauche man kein Vorwissen, meint der Museumschef und widerspricht damit der Einschätzung, dieses Haus sei nur etwas für Uhrenfans. Für die allerdings, so erfahren wir wieder mal digital bei Tripadvisor, sei der Besuch des Patek- Philippe-Museums ein Muss: „Da kann man sich den ganzen Tag drin aufhalten und hat noch nicht alles gesehen.“

 

Quelle:http://www.faz.net/aktuell/technik-motor/technik/uhrenkunst-im-genfer-patek-philippe-museum-eine-frage-der-zeit-15896152.html

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