Der bedeutendste Austritt in der Geschichte der Opec

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Der angekündigte Austritt Qatars aus der Opec wird die Bedingungen auf dem Ölmarkt nicht entscheidend verändern – denn es gibt noch eine zweite mächtige Organisation, die den Ölpreis stärker treibt. Der Schritt gilt vielmehr Saudi-Arabien.

Nur noch wenige Wochen, dann wird das Emirat Qatar die Organisation der ölexportierenden Länder Opec verlassen. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Land die Opec verlässt. Schon in den Neunzigerjahren hatten Gabun und Ecuador, nicht eben die größten Förderländer der Welt, das Oligopol verlassen. Der Austritt Indonesiens im Jahr 2008 war hingegen schon von größerer Bedeutung, obwohl sich die Produktion des Landes damals in einer Krise befand und sein Anteil an der Opec-Produktion seit 1991 von 7 auf 2,7 Prozent gefallen war. Alle drei Länder kehrten indes wieder zurück: Ecuador schon 2007, Gabun 2016 – und auch Indonesien gehörte von Ende 2015 bis Ende 2016 noch einmal der Opec an. Seine Bedeutung hat sich indes weiter verringert.

Qatar hatte 2017 eine Tagesproduktion von 1,9 Millionen Barrel (1 Barrel entspricht 159 Litern). Damit nahm das Land Platz 14 unter den Förderländern ein und stellte knapp 5 Prozent der Opec-Produktion. Der Austritt ist damit der bedeutendste in der Geschichte der Opec, zumal Qatar zwar nicht zu den Gründungsmitgliedern gehörte, der Organisation aber schon ein Jahr später beitrat.

Die Geschichte des Kartells ist eine Geschichte des Ringens um Bedeutung. Denn es ist nicht nur fragil und wie alle supranationalen Organisationen sehr von inneren Konflikten gekennzeichnet. 1960 war es gegründet worden, um die Interessen der Förderländer gegenüber den großen Wirtschaftsnationen zu bündeln. Der Preis für einen Barrel Öl hatte – von der Zeit des Ersten Weltkrieges abgesehen – zwischen 1879 und 1947 stets zwischen 50 Cent und 1,50 Dollar betragen und war in den Fünfzigerjahren dann auf rund 2 Dollar gestiegen. Rechnet man die Inflation heraus, war der Ölpreis damit in dieser Zeit real um ein Drittel gefallen.

Im Jahr 1965 vertrat die Opec rund 42 Prozent der Erdölproduktion und nach anfänglichen Schwierigkeiten gelang es ihr auch, den Ölpreis höher zu treiben. 1971 überschritt er erstmals seit 1959 das Niveau von zwei Dollar, 1974 kam es zur „Ölpreisexplosion“: Mit 11,58 Dollar war der Preis gegenüber dem Vorjahr um mehr als Dreieinhalbfache gestiegen. Autofreie Sonntage und eine Rezession in den meisten Industrieländern waren die Folge. In heutigen Preisen war Öl damals 6 Prozent teurer als heute.

Mehr als die Hälfte der Welt-Ölförderung

Zu diesem Zeitpunkt vereinigte die Opec mehr als die Hälfte der Erdölproduktion auf sich. In den Folgejahren verlor sie aber erheblich an Bedeutung und repräsentierte 1985 nur noch wenig mehr als ein Viertel der Welt-Ölproduktion. Zum einen erlebte Venezuela schon damals ein eminenten Niedergang der Produktion, zum anderen sorgte die iranische Revolution für einen Rückgang der iranischen Förderung um zwei Drittel. Der Krieg mit dem Irak ließ dann zu Beginn der Achtzigerjahre auch dort die Produktion auf die Hälfte schrumpfen. Seitdem hat sich der Opec-Anteil allerdings wieder bei mehr als 40 Prozent stabilisiert.

Zu den Nutznießern gehörte ursprünglich vor allem Saudi-Arabien. Doch dessen Anteil an der Opec-Produktion schwankt seit 1990 kontinuierlich um 30 Prozent. Dagegen haben die Vereinigten Arabischen Emirate, aber vor allem Qatar ihren Anteil in diesem Jahrhundert deutlich ausgebaut. 1994 hatte Qatar nur einen Anteil von 1,6 Prozent an der Produktion – heute sind es knapp 5 Prozent. Dies dürfte dem großen Nachbarn nicht gefallen haben.

Der Austritt Qatars schwächt die Opec, deren Anteil an der Weltölproduktion auf Basis des Jahres 2017 damit auf den niedrigsten Stand seit Mitte der Neunziger fällt. Damit schwächt Qatar auch die Position Saudi-Arabiens im Rahmen den sogenannten „Opec Plus“, in der neben Saudi-Arabien vor allem Russland tonangebend ist, da sie im Wesentlichen neben der Opec die Staaten der früheren Sowjetunion umfasst.

Qatar hat den Gasmarkt im Blick

Solange sich allerdings Saudi-Arabien und Russland einig sind, wird die Fähigkeit der „Opec Plus“, den Ölpreis zu beeinflussen, nicht entscheidend geschwächt – zumal Qatar der „Opec Plus“ weiter angehören will. Vor allem ist der Austritt ein Austritt gegen Saudi-Arabien.

Ökonomisch hat Qatar ohnehin vor allem den Gasmarkt im Blick. Hier ist das Land schon heute gemeinsam mit Kanada hinter den Vereinigten Staaten, Russland und dem Iran der größte Produzent der Welt. Zudem verfügt das Land hinter Russland und dem Iran auch über die größten Reserven der Welt.

 

Quelle:http://www.faz.net/aktuell/finanzen/qatar-der-bedeutendste-austritt-in-der-geschichte-der-opec-15922471.html

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