Drei Neuerscheinungen über die Europäische Union zeigen, dass oft nationalstaatliche Perspektiven den Blick auf die Krise trüben. Zu den Begleiterscheinungen länger andauernder politischer Krisen gehört eine erhöhte Produktion von Texten, in denen die Krise selbst thematisiert und analysiert wird. Im Idealfall entstehen dann Orientierungshilfen und Inspirationen. Krisentexte dienen zuvorderst der...
Auf eine absolute Mehrheit der Wählerstimmen kann derzeit keine der ehedem großen Volksparteien mehr ernsthaft spekulieren, und auch dass eine Partei die absolute Mehrheit der Parlamentssitze erringt, ist ziemlich unwahrscheinlich. So ist Deutschland ein Land der Koalitionen. Zehn Parteien waren 1949 im ersten Deutschen Bundestag vertreten. Zwölf Jahre später, nach...
Haben Hitlers Juristen bei ihrem Vorgehen insbesondere gegen jüdische Deutsche ausgerechnet bei der amerikanischen Gesetzgebung gegen Schwarze und andere rassische Minderheiten Anleihen gemacht? Haben sie sich gar von der genuin amerikanischen Rechtstradition anleiten lassen? Dass das nationalsozialistische Deutschland nicht das einzige Staatswesen war, dessen Gesetzgebung in den 1930er Jahren von...
Gedenken wird nicht nur „von oben“ inszeniert, sondern auch „von unten“ gestaltet. Beide Prozesse sind eng aufeinander bezogen und miteinander verflochten. Dieses komplexe Wechselspiel versuchen die Autorinnen und Autoren eines Sammelbandes für den 9. Mai als Gedenktag des Kriegsendes 1945 in fünf Ländern des postsozialistischen Europas (Belarus, Deutschland, Estland,...
Die Bescheidenheit, Authentizität und Ehrlichkeit der Publikation verraten bereits einiges über den Mann, der hier sein Leben erzählt und Rechenschaft abgibt. Wenn der 1929 geborenen Ulrich Wegener im Zentrum des öffentlichen Interesses stand, so geschah das gewissermaßen im dienstlichen Auftrag. Sonst aber hat er nie die Öffentlichkeit gesucht, auch...
Nach dem V. Parteitag der SED im Juli 1958, auf dem Walter Ulbricht den Ausbau der Macht der Partei und die Vollendung des sozialistischen Aufbaus verkündete, erfolgte auch eine Erhöhung der Durchsetzungsfähigkeit und Effizienz des ZK-Apparates. Die Parteizentrale, in der die Zahl der Altkommunisten bis 1970 auf neun Prozent...
In der heißen Phase des Bundestagswahlkampfs deutete schon viel auf ein Sechs-Fraktionen-Parlament hin – wie zuletzt 1953. So ist es nun gekommen. Nicht ganz so alt, aber dennoch mit Patina versehen ist die Idee einer schwarz-grünen Koalition im Bund, wenn sich „Nachhaltigkeit“ (Grüne) und „Die Schöpfung bewahren“ (Union) begegnen. Die...
Heinrich August Winkler erkennt die durch den Brexit und durch Donald Trump verschärfte Krise des Westens, nicht jedoch deren Ursachen. Zerbricht der Westen? Die Frage zu stellen heißt von der Existenz des Westens auszugehen. Das tut Heinrich August Winkler, längst emeritierter Ordinarius an der Berliner Humboldt-Universität und einer der fleißigsten...
Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer ist immer mal wieder in die Nähe der AfD gerückt oder gar zum „grünen Thilo Sarrazin“ gemacht worden. Wer die gut 250 Seiten seines neuesten Buches liest, der kann solche Thesen nur als verunglimpfend empfinden. Palmer stellt sich vor als an der kommunalen Front...
Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und das Auswärtige Amt unter Hans Dietrich Genscher (FDP) arbeiteten sich 1985/86 vielfältig an den Herausforderungen aus den späten 1970er Jahren ab, etwa der Nachrüstung oder den Problemen in der EG. Zugleich verweisen die Dokumente aus dem AA-Archiv auf die Anfänge der neuen Ordnung Europas,...